Logo Schlachthof Bremen

For H. M.

Ein Heiner Müller Festival im Kulturzentrum Schlachthof präsentiert von Danaehelios und Collegen

 

theaterSCHLACHTHOF // danaehelios // 29. Oktober / 30. Oktober / 2016 // jeweils 1900h // Theaterwerkstatt

Großstadt

19:00 Uhr  TIER WALD Phase 1nach Heiner Müller

 

Er zählte die Möglichkeiten, 1) Seine Füße wurden schwerer und der Boden saugte seine Füße an. 2) Er fühlte seine Füße schwerer werden, weil der Boden sie ansaugte. 3) Er hatte den Eindruck, daß der Boden seine Füße ansaugte, weil sie schwerer wurden. Die Fragen beschäftigten ihn eine Zeit (Jahre Stunden Minuten) lang. Er fand die Antwort in dem zunehmenden Schwindelgefühl, das der konzentrisch wehende Wind ihm verursachte: Seine Füße wurden nicht schwerer, der Boden saugte seine Füße nicht an.

Macht ist nicht einfach etwas, gegen das wir uns wehren, sondern zugleich im strengen Sinne das, wovon unsere Existenz abhängt und was wir in uns selbst hegen und pflegen. Dieser Prozeß wird gewöhnlich so verstanden: Die Macht drängt sich uns auf, und geschwächt durch sie verinnerlichen oder akzeptieren wir schließlich ihre Bedingungen. Dabei wird jedoch übersehen dass "wir", die wir diese Bedingungen annehmen, in "unserer" Existenz durch und durch von ihnen abhängig sind, Gibt es nicht diskursive Bedingungen für die Artikulation eines jeden "wir"? Subjektivation besteht eben in dieser grundlegenden Abhängigkeit von einem Diskurs, den wir uns nicht ausgesucht haben, der jedoch paradoxerweise erst unsere Handlungsfähigkeit ermöglicht und erhält.

 

Hermanis:
L'art pour l'art! Ich bin ein altmodischer Künstler, Kunst ist für mich in erster Linie Schönheit und Poesie. In der europäischen Tradition schufen Künstler über Jahrhunderte hinweg Fantasiewelten. Das Konzept, dass Kunst von Politik handeln muss, entstand erst im 20. Jahrhundert.
Ich wollte nicht als Teil eines Theaters wahrgenommen werden, das sich als Refugees-Welcome-Center positioniert. Ich zahlte 10.000 Euro aus meiner Tasche, um angefallene Produktionskosten abzudecken, schrieb dem Intendanten mehrere Mails und bat, mich aus privaten Gründen aus der Produktion zu entlassen. Ich wollte diesen Rückzug nie öffentlich machen. Aber eine, sagen wir, moralisch verkrüppelte Person denunzierte mich, indem sie aus den privaten E-Mails Sätze aus dem Zusammenhang riss, daraus einen Brief bastelte und damit an die Öffentlichkeit ging. Und die deutschen Zeitungen warfen die Propagandamaschinerie an.
Es war eigentlich ein Déjà-vu. Die schmutzigen Tricks kenne ich aus der Sowjetunion, wo ich einen Teil meines Lebens unter kommunistischer Herrschaft gelebt habe. Ich habe verstanden, dass in Deutschland jeder Künstler automatisch links ist. Sorry, ich nicht.
Ich bin konservativ – und stolz darauf. Ich will meine politische Meinung nicht diskutieren, aber ich lehne es ab, dass Künstler nach ihrer politischen Haltung beurteilt werden. Ich bekam viele zustimmende E-Mails von deutschen Künstlern, auch solchen vom Thalia-Theater. Aber sie wollten sich alle nicht öffentlich äußern, um keine beruflichen Nachteile zu haben. Ich glaube allerdings, dass die deutschen Theater größere Probleme haben, als Hermanis zu bekämpfen. Was mit der Volksbühne passiert, ist eine Tragödie. Ebenso wenig, wie die Deutschen imstande sind, ihre Frauen auf den Straßen zu beschützen, sind sie imstande, ihr kulturelles Erbe zu bewahren. Zur Klarstellung: Ich bin nicht gegen politische Flüchtlinge, sondern gegen offene Grenzen

 

Danaehelios:
2014 wurde Danaehelios als Performance- und Produktionsteam
von Mona Louisa-Melinka Hempel und Calendal Klose
gegründet.

 

 

 

19:45 Uhr  VERKOMMENES UFER MEDEAMATERIAL LANDSCHAFT MIT ARGONAUTEN nach Heiner Müller

 

Dieser Krieg wird der Krieg der Angst sein. Keine Helden, keine Märtyrer: eine Katastrophe bricht über gehetzte Tiere herein. (Jean-Paul Satre)

Müllers Text kommt aus einer anderen Zeit aber Merkel räumte am Donnerstag ein: "Es ist eine schwierige, aber wir hatten auch andere schwierige. (...) Jetzt haben wir etwas, was sehr an den Kern der Gesellschaft geht." Sie fügte hinzu: "Schlimm ist die allgemeine Verunsicherung." Deshalb müsse "der Staat seiner Aufgabe gerecht werden, das weitestgehende Vertrauen wieder herzustellen." Und daran arbeiten wir. EINSAM KRANK UND FEST ENTSCHLOSSEN

Marie Laila und Calendal studieren in Gießen gemeinsam Angewandte Theaterwissenschaften. Dort entstand im Februar 2016 ihre Version von VERKOMMENES UFER MEDEAMATERIA LANDSCHAFT MIT ARGONAUTEN.

 

von Heiner Müller Performance von Marie Meyer, Calendal Klose, Laila Gerhardt

 

 

 

20:30 Uhr  GROßSTADT

 

2030

Über Nacht sind wir andere geworden, schlechter oder besser.

(Theodor Fontane)


Auf der Bühne stehen fünf PerformerInnen. Jede/r mit eigenen Geschichten, eigenen Erfahrungen in der
Nacht, im Nachtleben. Während der Performance fungieren sie als Stellvertreter für die Nachtmenschen,
bleiben aber sie selbst. Das auf der Bühne verwendete Text/Bewegungs/Geräusche Material stammt aus Recherchen im Nachtleben und dem Erfahrungsschatz der Performer und ist Subjektiv von uns selektiert und zusammengestellt worden.

 


Mit:
Sarah Bongartz, Charlotte Eifler, Mona Louisa-Melinka
Hempel, Calendal Klose, Elí Klose, Tom Plückebaum, David
Wehr;


Vielen Dank:
besonders möchten wir uns bei den verschiedensten
Nachtmenschen bedanken, die Lust und Zeit hatten, sich unseren
Fragen zu stellen, Tim Schulten, Julia (Tabori), Laura Ziegler,
Elinor Bender und und und


Danaehelios:
2014 wurde Danaehelios als Performance- und Produktionsteam
von Mona Louisa-Melinka Hempel und Calendal Klose
gegründet.

 

 

Eintritt 7,00€

Kartenvorbestellungen untertheater(at)schlachthof-bremen.de