Rap gegen die Unterdrückung

HANNA HABBE, BENJAMIN MOLDENHAUER

Rap ist im Iran für viele Menschen eine Möglichkeit, ihre Wut, Ängste und Hoffnungen auszudrücken. Wie eng Musik und Widerstand miteinander verbunden sein können, zeigt die Dokumentation „Rap & Revolution Iran“, die am 18. November 2026 in der Stadtbibliothek Am Wall vorgestellt wird. Der Film des Teams um Regisseur Omid Mirnour erzählt von einer Musikszene, die sich trotz staatlicher Repression Gehör verschafft. Im Anschluss an die Vorführung gibt die Journalistin und Islamwissenschaftlerin Amina Aziz Einblicke in die Hintergründe.

Besonders sichtbar wurde diese Form des musikalischen Widerstands während der landesweiten Proteste im Jahr 2022. Auslöser war der Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei. Unter dem kurdischen Leitspruch „Jin, Jiyan, Azadî“ („Frau, Leben, Freiheit“) gingen Menschen gegen das Regime auf die Straße. Die Rap- und Hip-Hop-Szene wurde zu einem wichtigen Sprachrohr des Protests.

Wie viel Mut es braucht, sich im Iran musikalisch auszudrücken, weiß die Journalistin und Islamwissenschaftlerin Amina Aziz. Während ihres Studiums an der Universität Hamburg verbrachte sie in den Zehnerjahren ein Auslandssemester in Teheran und erlebte dort, wie stark das kulturelle Leben reglementiert ist. Kunst muss staatlich genehmigt werden. Oder sich alternative Wege suchen. Unter diesen Bedingungen hat sich eine lebendige Untergrundszene entwickelt.

Rap bietet vielen Iraner*innen einen Raum, um über ihre Lebenswirklichkeit zu sprechen: über Unterdrückung, Angst und den Wunsch nach Freiheit. Die Dokumentation „Rap & Revolution Iran“ lässt Künstler*innen zu Wort kommen, die ihre Geschichten erzählen. Zu den prägenden Namen der iranischen Hip-HopSzene gehören Hichkas, Erfan und die Rapperin Salome MC. Besonders Salome MC ist Aziz in Erinnerung ge-blieben: „Sie veröffentlicht bis heute Musik und hat unter anderem mit einem deutsch-iranischen Rapper zusammengearbeitet.“

Als 2022 die Proteste ausbrachen, verfolgte Amina Aziz die Ereignisse von Deutschland aus. Über soziale Medien versuchte sie mit Bekannten und Familienangehörigen in Kontakt zu bleiben. Die Dokumentation macht deutlich, warum und auf welchen Wegen Musik gerade unter repressiven Bedingungen eine besondere Bedeutung gewinnt. Und unter den Bedingungen des Krieges noch einmal mehr. Rap kann staatliche Unterdrückung nicht beenden. Aber er kann Erfahrungen hörbar machen und Solidarität stiften.

Was Hoffnung für sie bedeutet, beschreibt Amina Aziz mit den Worten: „Die kleinen Bewegungen von Meschen, die weiter machen. Sei es in Deutschland wie auch im Iran.“ Diese Beharrlichkeit macht „Rap & Revolution Iran“ sichtbar.

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