Dabei gibt es durchaus Kritik an den Plänen: Die „Architects for Future“ und die Bremer Architektin Ute Dechantsreiter haben eine Petition an die Bürgerschaft aufgesetzt, die von mehr als 2200 Menschen und verschiedenen Organisationen und Fachleuten unterstützt wurde. „Ein Abriss des soliden Stahlbetonbaus ist aus statischen Gründen nicht erforderlich, sogar eine Aufstockung wäre durch vorhandene Lastreserven möglich“, heißt es dort. Das Ansinnen wird allerdings als eher chancenlos gehandelt. Der Bremer Senat hat sich für einen Abriss entschieden.
Zwar gibt es einen Beteiligungsprozess, der schließt allerdings eine Umnutzung des Gebäudes aus. Nicht gerade ein Muster beispiel für Partizipation, findet auch Christian von Wissel, Professor an der Hochschule und wissenschaftlicher Leiter des Bremer Zentrums für Baukultur (b.zb): „Es gab eine Studie, die hat gesagt, man kann umbauen, dann gab es ein oder zwei Jahre später die nächste Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass sich ein Umbau nicht lohnt. Und noch bevor diese zweite Studie herauskam, hat man sich dafür entschieden, das Ding abzureißen.“
Ist die Bürgerbeteiligung also mehr oder weniger Augenwischerei? „Das Problem war, dass die Beteiligung erst begonnen wurde, nachdem entscheidende Fragen abschließend beschlossen waren.“ Es gebe zwar viele Aspekte in Planungsprozessen, die zum Beispiel aus technischen oder rechtlichen Bedingungen heraus nicht verhandelbar sein können. „Aber auch da muss man transparent machen, warum diese Sachen gesetzt werden und warum nicht. Beteiligung braucht Vertrauen.“
Wirtschaftliche Argumente gegen den Abriss gibt es für von Wissel auch: Es stecken „viele Rohstoffe drin, Ressourcen, Energie, CO2, die jetzt freigesetzt werden, um sie danach erneut herstellen zu müssen. Wir haben also einen doppelten Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Wenn ich mir die Klimaziele der Stadt Bremen angucke, ist das kaum miteinander in Einklang zu bringen. Wir wollen bis 2038 klimaneutral sein, aber verbringen die nächsten Jahre damit, ein neues Haus zu bauen auf einem Grundstück, auf dem vorher bereits eins stand. Und produzieren damit unnötig CO2.“
Dass an der Stelle des Kaufhauses und des benachbarten Parkhauses, das ebenfalls abgerissen wird, bauliche Verände rungen vorgenommen werden, sei dabei durchaus sinnvoll, dort sei der Boden bereits überbaut, neuer Boden müsse also nicht versiegelt werden. Und Bedarf gibt es auch: Wohnraum wird in Bremen dringend benötigt. „Man redet darüber, einen Mix herzustellen aus Wohnen, Geschäften und dritten Orten. Ein bisschen was für alle, auch Angebote, die für die Allgemeinheit gut sind. Das hört sich erst mal nicht verkehrt an.“ Auch die Innenstadt könnte davon profitieren, die bekanntlich nach Geschäftsschluss ziemlich tot ist. „Da ist man ja auf dem richtigen Weg“, sagt von Wissel. „Mehr Wohnraum ins Zentrum zu bringen ist schon länger ein erklärtes Ziel der Stadt, aber es gibt kaum Investoren, die Wohnungen in der Innenstadt herstellen wollen.“ Mit Gewerbe lässt sich einfach mehr verdienen. Um sicherzustellen, dass die neuen Wohnungen zudem nicht am Bedarf vorbei geplant werden, gibt es in Bremen eine Sozialquote. Ab einer gewissen Anzahl Wohnungen müssen 30 Prozent davon geförderter Wohnungsbau sein. Allerdings, das legen auch die erwähnten Studien nahe, wäre das auch mit einem Umbau möglich gewesen. „Das Argument für den Abriss ist immer noch nicht geliefert“, stellt von Wissel fest.
Theater zum Thema: Das Theater Bremen hat der berüchtigten Mozarttrasse, für die einst ein ganzes Stadtviertel planiert werden sollte, im Frühjahr ein Stück gewidmet, das in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen werden soll: „Die Trasse“