Geschichte, Kunst und Seelenleben

LEA SCHLUßMEIER

Psychiatriegeschichte trifft auf Graphic Novel – Das Krankenhaus-Museum der Kulturambulanz bespielt derzeit gleich zwei Ebenen: Die Daueraustellung Wahn sinnig?! erzählt 120 Jahre Bremer Psychiatriegeschichte, die Sonderausstellung Seelenräume zeigt, wie Comics das Innenleben psychischer Erkrankungen freilegen.

Durch einen hübschen Park auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost gelangt man zu dem kleinen Haus, in dem sich das Krankenhaus-Museum befindet. Auf zwei Etagen werden dort Einblicke in Themen rund um die menschliche Psyche gegeben. Während im Erdgeschoss die Hinter- und Abgründe der Bremer Psychiatriegeschichte gezeigt werden, befinden sich im darüber liegenden Stockwerk die Sonderausstellun gen. Vom 22. März bis zum 30. August werden dort „Seelen räume“ thematisiert – „Psychische Erkrankungen und Krisen in Grafischen Erzählungen“.

Die Dauerausstellung „Wahnsinnig?!“ hat verschiedene Unterthemen im Fokus, die chronologisch angeordnet sind. Spannend, aber vor allem schrecklich, ist die Historie der Psychiatrie während des Nationalsozialismusʼ, auf die das Museum einen besonderen Fokus setzt. Heute unvorstellbare Methoden, die an verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte ganz „normal“ in der Behandlung psychisch Kranker waren, werden im Krankenhaus-Museum ausgestellt. Die Frage der vermeintlichen Normalität wird in der Ausstellung immer wieder gestellt. Wer ist „normal“ und wer nicht und wie gehen wir heute damit um?

Die Sonderausstellung „Seelenräume“ zeigt noch bis zum 30. August Graphic Novels, Comics und Cartoons, in denen Themen rund um psychische Erkrankungen über Text und Bild Kombinationen zugänglich vermittelt werden. Die verhandelten Themen sind komplex und vielfältig, wie beispielsweise Demenz, Angsterkrankungen, Essstörungen oder Depressionen. Gezeigt werden Ausschnitte, sowie Originalwerke von über 20 Illustrator*innen, die teilweise in ihren Werken eigene Erfahrungen verarbeiten oder von eigenen Beobachtungen ausgehen. So ist beispielsweise Albin Zauners „Im Demenzla byrinth“ entstanden. Die Graphic Novel ist das Resultat von jahrelanger Arbeit mit Menschen mit Demenz. Ganz ohne Worte, stattdessen mit sehr eindrücklichen Bildern, wird hier der Alltag eines Menschen mit Demenz gezeigt. Spannend ist auch „Fürchtetal“ der Geschwister Christine und Markus Färber, die den Suizid ihres Vaters in einer stillen Korrespondenz bearbeitet haben. Christine hat geschrieben und Markus hat als Antwort gezeichnet.

Jede der ausgestellten Geschichten ist sehr intim und berührend und kann potenziell Trost spenden. Die Themen sind schwer, aber alltagsnah und bieten Möglichkeiten, um einen eigenen Einstieg in die Auseinandersetzung mit psychischen Krankheiten zu finden oder sich mit anderen darüber auszutauschen.

Insgesamt ist das Museum interessant für Menschen, die sich für die Geschichte der Bremer Psychiatrie interessieren oder Bücher wie Svealena Kutschkes „Gespensterfische“ oder Leon Englers „Botanik des Wahnsinns“ mochten.

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