Gemeinsam durch den Wahlabend

KRISCHAN MEYER

Auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hat ganz Deutschland geschaut. Auch in Bremen wurden die Ergebnisse genau verfolgt. Hier wird nächstes Jahr eine neue Bürgerschaft gewählt. Daher hat das Bündnis Laut gegen Rechts am 20. September zu einem Wahlabend in den Magazinkeller des Schlachthofes eingeladen. Hier konnten sich Interessierte über diese wegweisenden Wahlen austauschen. Außerdem sollte ein sicherer Ort geschaffen werden, an dem Menschen sich im Angesicht der Erstarkung von rechten Kräften nicht alleingelassen fühlen.

Laut gegen Rechts hat sich Anfang 2024 gegründet, nachdem bekannt geworden war, dass sich in Potsdam Rechtsextremist*innen trafen, um Pläne für die massenhafte Abschiebung von Menschen aus Deutschland zu schmieden. Das Ziel von Laut gegen Rechts ist, so Sprecherin Mia Böhk, die Rechte von Migrant*innen zu stärken und Räume zu schaffen, die es Menschen ermöglichen, selbst politisch aktiv zu werden. So wie auch am Wahlabend im Magazinkeller.

Es sind rund 30 Personen aus allen Altersschichten anwesend. Auf einer Leinwand läuft ein Livestream, auf dem die Ergebnisse präsentiert und Interviews mit Politiker*innen und Politikexpert*innen gezeigt werden. Nebenbei stricken einige Personen und es werden Sticker gebastelt. Alle warten gespannt auf die ersten Hochrechnungen. Als klar wird, dass die AfD in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft wird, ist bei vielen Ratlosigkeit spürbar. Vereinzelt ist Kopfschütteln zu sehen.

Unter den Anwesenden ist auch der 18-jährige Joris. Ihm macht der Erfolg der AfD Angst. Zusammen mit seiner Großmutter, die bei den Omas gegen Rechts engagiert ist, und seinem Vater verfolgt er das Geschehen auf der Leinwand. Joris will Polizist werden. Diesen Beruf unter einer AfDRegierung auszuüben, wäre für ihn jedoch undenkbar. Auch für Hanne ist das Ergebnis “eine Katastrophe”. Um Bremen macht sie sich im Hinblick auf die AfD jedoch wenig Sorgen. Die Stadt sei “zu stabil”, als dass die Partei hier größeren Einfluss haben könne, so die 83-Jährige. Auch Mia Böhk ist sichtlich aufgerieben nach diesem Wahlabend. Sie sagt, dass das Ergebnis erwartbar war, aber dennoch erschreckend ist.

Laut den im vergangenen August durchgeführten Umfragen, kommt die AfD in der Hansestadt auf 17% und wäre damit erstmals auf Augenhöhe mit den demokratischen Parteien in der Bürgerschaft vertreten. Viele stellen sich die Frage, wie man mit diesen Umfragewerten umgehen kann. Laut Böhk besteht die Arbeit von Laut gegen Rechts für die Zukunft hauptsächlich darin, noch mehr Menschen zu erreichen und Kooperationen mit Vereinen wie Werder Bremen oder der Kirche zu erwirken. Insbesondere vorherige Nichtwähler*innen waren für das starke Ergebnis der AfD verantwortlich. Daher sei es jetzt wichtig, diese für den Kampf gegen Rechts zurückzugewinnen, so Böhk. Wer sich ebenfalls bei Laut gegen Rechts engagieren möchte, kann sich über den Instagram-Kanal (@laut_gegen_ rechts_bremen) oder die Facebook-Seite (facebook.com/ lautgegenrechtsbremen) der Initiative melden.

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