PLH

MAIKE PARTEY

Energiegeladener Sound, unverkennbarer Stil und stabile Haltung: Die Bremerin PLH rappt über das, was sie wütend macht, von Machos über Blender bis zum ganzen System, und tut das so, dass auch die strengsten Wächter des „echten“ Hip-Hop nicht mehr widersprechen. Lange war Boombap ihr Zuhause, doch jetzt zieht sie weiter. Aus Presslufthanna wurde PLH, aus klassischem Oldschool-Sound ein Mix, der Neues zulässt.

zett: Dein erstes Album war eher boombap-lastig, sehr oldschool. Dein letztes Album, PLH, mit dem auch die Namensänderung von Presslufthanna auf PLH einherging, ist teilweise immer noch Boombap, hatte aber auch viele neue Einflüsse. Wie kam das?

PLH: Presslufthanna beschreibt diesen Modus, mit dem ich angefangen habe. Ich habe alles nicht so ernst genommen, fandʼs lustig und wollte es ausprobieren. Dann ist das Ganze aber größer geworden und der Name hat sich mitgezogen. Einerseits ganz cool, Leute finden den Namen lustig und konnten ihn sich gut merken, aber es hat irgendwann nicht mehr zur Mucke gepasst und irgendwie fand ich den auch albern. So ganz distanzieren wollte ich mich aber auch nicht davon. Deswegen dachte ich, ich nehme einfach die Anfangsbuchstaben. Die Leute, die mich noch von früher kennen, wissen eh Bescheid. Und so ähnlich war das bei der Mucke. Die hat sich einfach weiterentwickelt. Ich mag Boombap, aber identifiziere mich nicht mehr nur noch damit. Früher war das voll mein Ding, mit der Zeit ist meine Mucke aber musikalischer und offener geworden. Ich will auch nicht immer nur das Gleiche machen. Und ehrlicherweise bin ich die Boombap-Szene auch ein bisschen leid. Also das gibtʼs bestimmt in vielen Szenen, aber gerade da sind die Fans so dogmatisch und konservativ. Es gibt nur das eine und alles andere ist nicht real. Das hat mich genervt und vielleicht war meine neuere Musik auch ein kleiner Aufstand dagegen.

"Wenn es mir schlecht geht, mache ich die beste Musik - leider."

Hast du denn mit deiner Stilveränderung auch eine Veränderung in deiner Hörer*innenschaft wahrgenommen?

Komplett. Ist super krass. Als ich angefangen habe, war die Szene noch anders. Früher habe ich nur vor Männern gerappt, jetzt auf der Tour habe ich gesehen, dass hauptsächlich FLINTA* da waren. Das ist mir auch voll wichtig, dass meine Musik erfahrbar und das Konzert entspannt ist für FLINTA*. Es waren auch viel mehr jüngere Leute da, nicht mehr nur Oldschooler, was ich voll geil finde. Ich will die alte Szene gar nicht abwerten, da komme ich ja her, ich findʼs vor allem cool, das zusammenzubringen.

In deinen Texten kommt eine feministische, antifaschistische Grundhaltung durch. Ich denke da bspw. an „Tragen schwarz“ mit Moussa. Wie wichtig ist dir Haltung in der Musik?

Einerseits finde ich es aktuell schon wichtig, dass sich Menschen klar positionieren und ihre Fresse aufmachen. Ich checke den Modus aber nicht, wenn man Musik nur als Medium nutzt, um seine politische Message an Leute zu bringen. Oft spielt das Musikalische dann keine Rolle mehr. Es ist voll wichtig, dass man Haltung zeigt, das muss aber nicht in jedem Song sein. Es muss real kommen. Es gibt Künster*innen, die das nicht in jedem Song haben, aber trotzdem Haltung zeigen. Herbert Grönemeyer zum Beispiel, der positioniert sich politisch mega krass, ohne in erster Linie politischer Künstler zu sein. Mich treibt es voll an, wenn mich Sachen abfucken. Wenn es mir schlecht geht, mache ich die beste Musik -leider. Und deswegen nutze ich Musik eher, um Wut rauszulassen.

Was steht bei dir denn in Zukunft so an?

Also gerade versuche ich, mein Leben zu leben, weil das ein bisschen zu kurz gekommen ist neben der Musik. Aber so langsam habe ich auch schon wieder ein bisschen Bock aufs Musik machen. Deswegen fange ich jetzt wieder an zu sammeln, gucke, wie viele Songs ich produzieren werde, und dann kommt vielleicht Ende nächsten Jahres sogar ein Album. Und Anfang 2028 gehe ich auf jeden Fall wieder auf Tour.

Was ist dein Traumfeature?

Mein Traumfeature wäre auf jeden Fall Lilʼ Kim. Ich bin übelster Lil-Kim-Fan, das wär schon crazy geil.

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