Die GEDOK

ANTONIA STICH

Am 5. März öffneten sich auf dem Bremer Marktplatz vier Fenster: Per Megaphon wurde die Kunstperformance Megalophonia der Künstlerin Elianna Renner hörbar. In einer Text- und Soundcollage verhandelt sie Forderungen nach Selbstbestimmung sowie Frauen- und Menschenrechten. Anlass ist das 100-jährige Bestehen der GEDOK.

GEDOK steht für Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen. Sie wurde 1926 von der Frauenrechtlerin Ida Dehmel gegründet und ist heute das älteste sowie europaweit größte Netzwerk für Künstlerinnen. In 23 Regionalgruppen engagieren sich rund 2.800 Künstlerinnen und Kunstfördernde. Eine davon ist der Künstlerinnenverband Bremen, GEDOK. Der Verband vereint Künstlerinnen verschiedener Sparten sowie Kunstwissenschaftlerinnen und setzt sich für Gleichstellung, Sichtbarkeit und bessere Arbeitsbedingungen im Kunstbetrieb ein.

Die zett hat sich mit der ersten Vorsitzenden des Künstlerinnenverbandes Bremen, Nicole Giese-Kroner, getroffen, Kunsthistorikerin und künstlerische Leiterin des Kunstzentrums Syker Vorwerk.

zett: Wie bist du zum Verband gekommen?

Nicole Giese-Kroner: Das war ungefähr 2019 im Rahmen eines gemeinsamen Ausstellungsprojekts. Ich war schnell beeindruckt vom Engagement und wurde schließlich gefragt, ob ich Mitglied werden möchte. So bin ich nach und nach hineingewachsen und habe den Verband als wichtiges Netzwerk kennengelernt.

Was macht den Bremer Künstlerinnenverband besonders?

Die Interdisziplinarität ist in Bremen eine große Stärke. Bei uns können zum Beispiel auch Kunstwissenschaftlerinnen Vollmitglieder sein und mitentscheiden, das ist nicht überall so. Außerdem sind die Wege kurz: Wir können direkt kulturpolitisch auf Landesebene mitwirken und werden gehört.

Was prägt das Jubiläumsjahr?

Vor allem Kooperationen. Megalophonia ist der Auftakt und wandert nun weiter nach Hamburg, Berlin und München. Parallel beteiligen wir uns an Projekten zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Tagung „Mapping Her* Studio“ in Kooperation mit dem Mariann Steegmann Institut Kunst & Gender im Juni. Zusätzlich entstehen ein Forschungsprojekt zur eigenen Verbandsgeschichte sowie Ausstellungen und Atelierführungen mit dem Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße. Insgesamt steht das Jahr ganz im Zeichen der Zusammenarbeit.

Welche Bedeutung hat der Verband heute?

Schon die Gründung war hochpolitisch. Leider zeigt sich bis heute, dass solche Strukturen weiterhin notwendig sind. Umso wichtiger ist unsere Arbeit: Wir bieten Vernetzung, Fördermöglichkeiten und Einblicke in kulturpolitische Prozesse.

Dein Wunsch für die nächsten hundert Jahre?
Dass wir streitbar bleiben, uns weiterentwickeln und nicht stehen bleiben. Genau das hält den Verband lebendig.

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