Bezahlbarer Wohnraum für alle fehlt – Aktivist*innen fordern deswegen solidarischen Wohnraum. Einen Wohnraum, in dem viele Menschen, darunter Paare, Singles und Familien mit Kindern zusammenleben und jede*r den Anteil bezahlt, der individuell aufgebracht werden kann. Ergo: Bezahlbarer Wohnraum für alle. Die Umsetzung einer beinahe utopischen Vorstellung.
In Bremen haben sich jedoch in den letzten Jahren immer mehr alternative Wohnprojekte gebildet. Das Projekt Mosaik ist eines von ihnen. Dort leben seit zehn Jahren 40 Menschen zusammen in einem von ihnen gekauften Haus mit insgesamt 21 Wohnungen. Es ist barrierefrei, wird selbst verwaltet und besteht aus einer ›bunten Gruppe – [die] generationsübergreifend und inklusiv‹ ist. Sie leben gemeinsam, unterstützen sich, profitieren voneinander und sind eine sich vertraute Gemeinschaft geworden. Sie sind Mieter*innen und Vermieter*innen zur selben Zeit und doch gehört den Bewohner*innen die Wohnung, in der sie leben, nicht.
›Unsere Visionen gehen dementsprechend dahin, weiterzudenken, wie wir noch mehr Räume schaffen können – Zeit und Geld noch solidarischer unter uns zu verteilen, damit die Menschen, die hier leben, Entlastung erfahren und so lange wie möglich im eigenen Zuhause und in der Gemeinschaft bleiben können, in der sie aufgehoben und beteiligt sind. Auch kulturell darf es gerne bunter werden bei uns.‹ Mosaik
Doch wie sieht die Zukunft von Wohnprojekten aus und welche Alternativen bilden sie zum angespannten Wohnungsmarkt in Bremen? Das Netzwerk Wohnprojekte Bremen weiß, wie schwer es sein kann den Traum eines eigenen Wohnprojektes zu realisieren. ›Für Bauprojekte braucht man einen langen Atem und Bauen geht mit vielen Risiken einher.‹
Zum 31.12.2025 wurde die Genossenschaftsförderung für gemeinschaftliche Wohnprojekte in Bremen eingestellt. Wie es weiter geht, ist noch unklar. Doch besonders das neue Hulsberg-Viertel schenkt Hoffnung. Hier sollen in den nächsten Jahren bis zu 180 neue Wohnungen mit innovativen Gemeinschaftskonzepten umgesetzt werden.
Bezahlbarer Wohnraum und der Wunsch nach solidarischem, inklusivem Leben motivierte auch das Projekt KARL auf dem Hulsberg-Gelände. In 29 Wohneinheiten leben rund 50 Erwachsene und 20 Kinder generationsübergreifend zusammen. Mit Kita, Café und Veranstaltungsraum ist ein offener Ort entstanden. Das Haus gehört sich dabei selber und wird gemeinschaftlich finanziert, um jeder*jedem einen Wohnraum bieten zu können.
›Solidarisches Miteinander. Selbstbestimmte, demokratische Entscheidungsräume.‹ KARL
Ein weiteres Projekt ist StadtWeltRaum. Unter dem Motto: ›vorhandenen Raum [teilen], die Dinge und auch Leben‹ haben sich 2015 Petra und Mirjam zusammengefunden. Auch ihr Wunsch war es, einen Ort zu schaffen, der ›über das reine Wohnen hinaus geht‹. Dazu gehört, dass das Büchertauschregal und der große Wohnraum für Lesungen, Workshops und Konzerte genutzt wird. Sie berichten von positiven Erlebnissen wie einem Gefühl, in der Nachbarschaft willkommen zu sein. 2016 fanden sie dann ein größeres Haus aus dem Jahre 1893 in Bremen-Habenhausen.
›Wir träumen von einem kleinen Dorf im Dorf, in dem etwa 20 Menschen in mehreren Häusern gemeinsam das Gute leben und gut leben können.‹ StadtWeltRaum
Während bezahlbarer Wohnraum immer noch wie eine Utopie klingt, machen Wohnprojekte wie Mosaik, StadtWeltRaum und KARL deutlich, dass es Lösungen und Alternativen gibt, die bereits seit Jahren funktionieren. In Wohnraumprojekten wird nicht nur gewohnt, es wird ausprobiert, besprochen und ein Gefühl von Gemeinschaft gebildet. Vielleicht kann ein einzelnes Wohnprojekt die Wohnungsfrage nicht lösen, aber es kann zeigen, wie es anders gehen kann. Und manchmal beginnt Veränderung genau so.