Lindgren wird 1907 in Vimmerby in Südschweden geboren. Sowohl dort als auch in Stockholm wurden ihr Museen und Freizeitparks gewidmet. Im ›Junibacken‹ in Stockholm können Klein und Groß in die bunte Welt Lindgrens eintauchen. Dort finden sich neben einer nachgebauten Villa Kunterbunt auch ein Geschichtenzug, der Kinder und Erwachsene durch eine Miniaturlandschaft von Lindgrens Welt fährt. In Vimmerby trifft man nicht nur Pippi, sondern auch Michel, Madita, Karlsson, Ronja und die Brüder Löwenherz. Diese Orte tragen zur Aufrechterhaltung und Lebendigkeit ihrer Geschichten bei.
Im letzten Jahrhundert hat wohl niemand die europäische Kinderliteratur so geprägt wie sie. Heute sind mehrere Literaturpreise nach ihr benannt. So zählt zum Beispiel der Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis zu den weltweit bedeutendsten Auszeichnungen für Kinder- und Jugendbuchautor:innen.
Pippi Langstrumpf bekommen deutsche Leser:innen 1949 das erste Mal zu lesen und in den späten 60er-Jahren endlich auch zu sehen. Astrid Lindgren hat bei den 70 Verfilmungen ihrer Bücher immer die Kontrolle und die Vermarktungsrechte behalten. Man kann also davon ausgehen, dass sie mit der Machart einverstanden war.
Ein ganzes Haus für sich allein haben? Unbedingt.
Die Figur der Pippi hat auch mich bereits früh begeistert. Als Kind bewunderte ich ihren Mut und ihre Stärke. Ein ganzes Haus für sich allein haben? Unbedingt. Weihnachtsgeschenke statt -kugeln in den Baum hängen? Eine großartige Idee! Ein Kaffeekränzchen in einem ausgehöhlten Baumstamm? Es gibt nichts Tolleres. Schnell stieg Pippi bei mir zu einer Kindheitsheldin auf, sodass ich jeden Karneval in meinen gestreiften Strümpfen und mit geflochtenen Zöpfen Kamelle fing.
Wissenschaftler:innen sehen vor allem den, nicht nur bei mir vorliegenden, Nostalgiefaktor als Basis für den anhaltenden Kultstatus von Lindgrens Geschichten. Gepaart mit regelmäßigen Neuauflagen von Büchern, Filmen und Serien können Verlage die Beliebtheit älterer Publikationen aufrechterhalten. Daher machen Lindgrens Kinderbuchklassiker im Oetinger Verlag auch etwa 50 Prozent des Umsatzes aus.
Auffallend anders ist auch Lindgrens Sprache, statt auf moralische Lehrhaftigkeit zu setzen, wie damals üblich, wählte sie Emotionalität und Normalität – jede:r konnte ihre Texte verstehen. Doch besonders wichtig ist die Autonomität von Lindgrens Figuren. Eltern oder andere Autoritätspersonen spielen oft nur eine Nebenrolle, manche wollen die Kinderfiguren eingrenzen. Dies wird innerhalb der Geschichten bereits ironisch belacht, denn Pippi beispielsweise leidet nicht an ihrer Elternlosigkeit, was manch Erwachsener nicht versteht. Dadurch wird eine Universalität hergestellt, in der sich alle Kinder, unabhängig von Geschlecht und Familienkonstellation, mit der starken Figur der Pippi identifizieren können. Und die Geschichten und Figuren werden dadurch unsterblich.