Vier aktuelle Kinderfilme

ANNEKE WISSMANN & CHANCY MASSAMBA

Flow, Der wilde Roboter, Wallace & Gromit - Vergeltung mit Flügeln, Alles steht Kopf 2

Flow
(Belgien, Lettland, Frankreich 2024, Regie: Gints Zilbalodis)
Flow ist ein ruhiger Animationsfilm über die Reise einer schwarzen Katze, der 2025 den Oscar für den besten Animationsfilm gewann. Verschiedene Tiere stehen im Fokus – es wird nicht gesprochen, natürliche Klänge und authentische Tiergeräusche erzeugen eine ohrenbetäubende Stille. Der Lebensraum der Tiere wird durch eine Flut zerstört, was die aktuelle Klimakrise mit extremen Wetterereignisse in den Kopf spült. Erzählt ohne einen einzigen Dialog, schafft es der Film, die Zuschauer:innen zum Lachen und auch zum Weinen zu bringen. Flow ist kein entspannter Kinderfilm, sondern lässt negative Töne im Kopf erklingen, die im Nachgang aufgearbeitet werden sollten. Eindrucksvoll ist die minimalistische Grafik in Kombination mit emotionaler Tiefe. Die erzeugte Intensität ist stellenweise nur schwer auszuhalten. Der Film zeigt eindrucksvoll: Stärke entsteht aus Gemeinschaft und Unterschiede ergänzen sich.
Anneke Wissmann

Der wilde Roboter
(USA 2024, Regie: Chris Sanders)
Der wilde Roboter
erzählt die Geschichte von Roz, einer Roboterfrau, die nach einer missglückten Auslieferung durch ihren Heimatplaneten auf einer Insel strandet. Sie ist einzig und allein darauf programmiert, Aufgaben auszuführen. Doch die Tiere auf der Insel lehnen sie ab. Erst als Roz ein verwaistes Gänseküken aufzieht, kann sie endlich ihren programmierten Auftrag erfüllen. Langsam entwickelt sich in ihr ein Gefühl der mütterlichen Fürsorge, wodurch sie sich von ihrer Programmierung löst und die Aufgabe auch nach Vollendung nicht loslässt. Sie stellt ihr eigenes ›Sein‹ als Roboterfrau in Frage und erscheint vermenschlicht. Die Darstellung der Mutterrolle wirkt im Film stellenweise klischeehaft und bedient traditionelle Rollenmuster mit hohen Erwartungen an eine Mutter. Roz verliert sich vollkommen in dieser Aufgabe und wird unglücklich. Der Film endet ohne ein klassisches Happy-End: Roz verlässt die Insel und kehrt auf ihren Heimatplaneten zurück.
Anneke Wissmann

Wallace & Gromit - Vergeltung mit Flügeln
(Großbritannien 2024, Regie: Merlin Crossingham & Nick Park)
In ihrem jüngsten Abenteuer müssen sich Wallace und Gromit gegen Wallaces neue Erfindung, einen außer Kontrolle geratenen KI-Roboter-Gartenzwerg, behaupten. Der Gartenzwerg Norbot sollte eigentlich für die Garten-arbeit in der Nachbarschaft vermietet werden. Doch als dieser dann plötzlich gehackt und fremdgesteuert wird, macht er nicht mehr allein Gromit das Leben schwer, sondern beginnt auch in fremden Gärten Unfug zu treiben. Die Helden aus Knete erleben am eigenen Leib, dass neue Erfindungen nicht immer nur Positives mit sich bringen und müssen nun gegen diese Innovation angehen. Nicht nur die Stop-Motion-Animation macht den Film besonders, sondern auch die Liebe zum Detail, die in jedem Setting und den vom britischen Humor geprägten Dialogen und Wortspielen steckt. Der Film hat aber nicht nur Witz, sondern lebt auch von der Beziehung zwischen dem Erfinder und seinem treuen Hund. Somit bietet er für alle Altersgruppen unterhaltsame und spannende Unterhaltung.
Chancy Massamba

Alles steht Kopf 2
(USA 2024, Regie: Kelsey Mann)
Nachdem wir im ersten Film das Mädchen Riley und die Emotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel in der Kommandozentrale ihres Kopfes kennengelernt haben, begleiten wir sie nun in den Anfängen ihrer Pubertät. Diese Veränderung bringt nicht nur neue Herausforderungen mit sich, sondern auch komplexere Emotionen, wie Zweifel, Neid, Ennui (Langeweile) und Peinlich. Diese Vielfalt sorgt für großes Chaos und neue Dynamiken in Rileys Gefühlswelt – die Emotionen ringen darum, wer von ihnen ihre Identität, ihre Handlungen und ihr Selbstbewusstsein prägen darf und sie beeinflussen, welche Glaubenssätze sich aus ihren Schwierigkeiten mit Themen wie Zugehörigkeit und sich verändernden Freundschaften bilden. Der Film zeigt, wie wichtig es ist, dass jede Emotion Raum in unserem Inneren bekommt und dass gerade diese Vielschichtigkeit wichtig dafür ist, wahre Selbstakzeptanz leben zu können. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der Animationsfilm nicht sonderlich innovativ, aber durch seine Botschaft besonders für Teenager und ältere Jugendliche sehenswert.
Chancy Massamba

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