Wasser ist ein Menschenrecht. Trotzdem leiden weltweit unzählige Menschen unter Wasserknappheit. Mangel an sauberem Wasser bedeutet für viele Dürre, kein funktionierendes Abwassersystem, Krankheiten, Hunger und im schlimmsten Fall den Tod. Weltweit sterben dadurch jährlich Hunderttausende Menschen und Tausende Kinder leiden an Durchfall, Mangelernährung, Lungenentzündungen oder Malaria.
Architekt Arturo Vittori wurde auf das Problem aufmerksam, als er 2012 in Äthiopien auf Reisen war. Er bemerkte, dass die Bewohner:innen in ländlichen und abgelegenen Orten ohne fließendes Wasser, Toiletten oder Duschen lebten. Er beobachtete, wie Frauen und Kinder täglich viele Kilometer laufen mussten, um Wasser aus einem Teich zu holen, das oft mit menschlichen und tierischen Ausscheidungen kontaminiert und voll von Parasiten und Krankheitserregern war. Dieses Wasser wurde jedoch trotzdem zum Überleben gebraucht.
Diese Not inspirierte ihn dazu, den Warka Tower zu entwickeln. Der Warka Tower ist eine Struktur, die Wasser aus der Atmosphäre, also aus Regen, Nebel und Tau sammelt. So wurde eine alternative Wasserquelle für die ländliche Bevölkerung geschaffen, die nicht über eine ausreichende Trinkwasserversorgung verfügt. Die Struktur funktioniert allein durch natürliche Phänomene, wie Schwerkraft, Kondensation und Verdunstung, komplett ohne Elektrizität. Die Wassertropfen sammeln sich bei feuchtem Wetter im Netz des Towers und fließen durch die Schwerkraft nach unten, wo sie in ein Sammelbecken tropfen. Das Wasser wird dann in einen Lagerbehälter am Grund des Warka Towers geleitet. Je höher die Luftfeuchtigkeit und die Menge an Nebel, desto mehr Wasser kann also gesammelt werden.
Das erste Modell des Towers wurde nach einem langen Prozess 2015 in Dorze in Südäthiopien gebaut. Das Design wird an die örtlichen meteorologischen und geologischen Gegebenheiten und an die lokale Kultur angepasst. Der Warka Tower wurde so kreiert, dass die Dorfbewohner ihn besitzen und eigenständig bedienen können, damit der Erfolg des Projektes gewährleistet werden kann. Hierbei wird darauf geachtet, dass die genutzten Werkzeuge und Materialien bekannt sind und bereits von der lokalen Gemeinschaft genutzt werden. Darum unterscheiden sich die Warka Tower an den verschiedenen Standorten in ihrer Form, Geometrie und in ihren Materialien. Die Philosophie bleibt aber immer gleich: sauberes Wasser für alle zugänglich zu machen.
Inspiriert wurde der Name des Projektes durch den wilden Feigenbaum, den Warka Tree, der in Äthiopien heimisch und ein wichtiges Symbol für die dortige Dorfgemeinschaft ist. Auch die Architektur des Towers ist von der Natur inspiriert. Manche Tiere und Pflanzen, wie die Lotusblume, Kakteen oder der Nebeltrinker-Käfer haben die Fähigkeit entwickelt, Wasser aus der Atmosphäre einzufangen und zu speichern, um in lebensfeindlichen Umgebungen überleben zu können.
Das Ziel ist, mit dem Warka Tower jeden Tag 50 bis 100 Liter Trinkwasser sammeln zu können, wodurch den Dorfbewohnern nicht nur diese wertvolle Ressource zur Verfügung gestellt wird, sondern auch ermöglicht werden soll, dass Frauen und Kinder Zeit haben, in Bildung und andere soziale Aktivitäten zu investieren. Die Zeit und Energie, die sonst für den Transport von Wasser gebraucht wurde, kann so anderweitig eingesetzt werden. Ebenfalls kann der Warka Tower als Ort der Gemeinschaft genutzt werden, da Menschen sich im Schatten seines Vordaches für gemeinsame Aktivitäten treffen können. Der Warka Tower bietet somit nicht nur eine wertvolle und lebenswichtige Ressource, sondern hat auch auf sozialer Ebene einen großen Einfluss.
Wasser ist ein Menschenrecht. Niemand sollte mit verseuchtem Trinkwasser leben müssen. Es gibt aber immer noch zu viele Menschen, denen das verwehrt bleibt. Projekte, wie der Warka Tower geben aber Hoffnung und die Perspektive darauf, dass es eines Tages vielleicht sauberes Wasser für alle geben könnte.